Filmpremiere ZOOLOGY

Der Gewinnerfilm des Last year’s Karlovy Vary International Film Festival, Fantastic Fest and Film Festival Cottbus ZOOLOGY feiert seine Premiere in Berlin.

Wir VERLOSEN via FACEBOOK 2 FREIKARTEN für die Berlin Premiere von ZOOLOGY am 24.04. um 21.30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain! Der Film läuft in russischer Originalsprache mit englischem Untertiteln.

Jeder, der unseren Facebook-Post T*E*I*L*T, hat die Chance bei unserem GEWINNSPIEL eine Freikarte zu gewinnen. Am Freitag um 12 Uhr werden wir die beiden Gewinner bekannt geben. Die Devise lautet: Teilen, teilen, teilen!  Zoology_poster_small

Weitere Infos über diesen und andere interessante Filme von MovieBrats Pictures sowie über achtung berlin – new berlin film award findest du unter:
www.moviebratspictures.com/film/zoology

 

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Exzessiv “geliebt” von den Einigen, aber nicht genug von den Anderen

Eine Filmkritik von Tetiana Shportak zum Film von Nabil Ayouch “Much Loved”.

Der Film “Much Loved” des französisch-marokkanischen Regisseurs Nabil Ayouch, der jetzt in den Berliner Kinos oft aufzufinden ist, erzählt die Geschichte von vier Frauen, die sich ihr Geld in Marrakech mit Prostitution verdienen. Es ist ein starkes und wahrhaftiges Drama über das Nachtleben in Marokko.

Die drei Freundinnen Noha (Loubna Abidar), Soukaina (Halima Karaouane) und Randa (Asmaa Lazrak) arbeiten in der Nacht als Prostituierte. Die jungen Frauen haben eine freche Art und nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um ihren Job geht. Sie reden über ihre Körper und ihren Job. Dabei werden sie von Said ihrem Bodyguard, Chauffeur und Zuhälter begleitet, der sie durch die Straßen von Marrakech kutschiert, von einer Party zur nächsten Bar- und Nachtclubszene bis zu den Hotels und irgendwann nach Hause, wenn der Morgen kommt. Durch Saids herumchauffieren der Mädels in Marrakech und den zahlreichen Einstellungen, bekommt der Ort seinen ganz eigene Charakter. Wie in den meisten Großstädten bedarf es eines guten Fremdenführers, um nicht von der Stadt verschlungen zu werden. Diese Rolle übernimmt der verlässliche Fels in der Brandung Said.

Much Loved (c) ALFILM

Much Loved (c) ALFILM

Die drei Mädchen sind in glitzernder Partykleidung, ein bisschen abgebrüht, ein bisschen aufgekratzt, ein bisschen verkokst, aber vor allem sind sie Freundinnen. Sie scheinen diese nimmer endenden Partys voll mit Musik und Tanz zu genießen. Zwischendurch verbringen sie eine lukrative Nacht in eine von Saudi Jungs gemietet Villa, die bis zum Rande mit Nutten gefüllt war. Sie werden für ihre verführerischen Bewegungen bezahlt, fürs Tanzen und, besser noch, für Sex. Unsere Frauen, sagt ein Saudi mit Blick auf den gut gefüllten Teller vor ihm auf dem Tisch, sind wie dieses Fleisch: tot. Die herausgeputzten Huren hingegen bieten den erwünschten lebendigen Ersatz.

Die Vor- und Nachteile ihres Berufes sind mit schmutzigen Einzelheiten gespickt und der Film scheut nicht davor zurück, alles zu zeigen. Der Betrachter sieht sich indes völlig in die kleine Gruppe von Freudenmädchen integriert, die ihrerseits den letzten Tropfen Anstand in Wort und Tat verlieren. Sie verkaufen sich bedingungslos, solange das Geld stimmt. Jede der Protagonistinnen hat eine eigene Lebensgeschichte hinter sich und Träume, die sie gerne ins Leben hineintragen würden. Aber wie durch einen Fluch ist das Geld was sie verdienen zwangsläufig „haram“ und bringt ihnen weder Freude noch erfüllt es deren Wünsche.

Der Betrachter taucht komplett in das Nachtleben von Marrakech und das der Heldinnen mit ein. Der Film gibt einem die Möglichkeit die Heldinnen sowohl während ihrer Arbeit als auch in den intimsten Momenten ihres Lebens zu beobachten. Uns wir jedoch nicht nur ein Marrakech bei Nacht gezeigt, sondern auch das Marrakech mit all seinen Traditionen, Religionen und Gesellschaftsordnungen.

Die Kameraführung hat ein besonderes Augenmerk für die Visualisierung der Stadt, da sie, selbst als die Mädchen in sich gehen, eine eigene, vielfältige Bildergeschichte zu erzählen versucht: hektisch und anständig am Tag, wenn alle zum Markt eilen und in der Nacht intensiven und zügellos.

Es ist aber weniger der käufliche Sex und schon gar nicht die Prostituierten, die Ayouch ins Visier nimmt. Es ist vielmehr die gesellschaftliche Heuchelei, die dominanten Macho-Kultur und die Doppelmoral mit der im Film abgerechnet wird.

In einer islamisch geprägten Kultur ist ihre Arbeit noch gefährlicher und stärker verpönt als anderswo. Deshalb müssen sich die jungen Frauen tägliche Anfeindungen, Diskriminierung und Ausbeutung gefallen lassen. Die loyalen Freundinnen finden nur untereinander Trost und Wärme, wobei sie von einer besseren Zukunft und dem persönlichen Glück träumen.

In Marokko löste „Much Loved“ starke Kontroversen aus und wurde schließlich als Skandalfilm verboten, da die Regierung das Thema als Beleidigung für alle ehrbaren marokkanischen Frauen ansah und somit eine Beleidigung für das Land sowie seine Normen und Werte darstellt. Prostitution mag in Marokko ein Tabuthema sein – aber es wird sie dort wohl genauso geben wie überall sonst auf der Welt auch.

Nabil Ayouch sagt zwar, dass er nicht provozieren wollte, aber es geht ihm natürlich schon darum, die gesellschaftliche Diskussion in Marokko voranzutreiben. Um den Regisseur selbst zu zitieren: “Ich empfinde kein Mitleid zu diesen Frauen und ich wäre enttäuscht, wenn jemand, nachdem er diesen Film geschaut hat, dies täte.“ Aber wie der Film tatsächlich wahrzunehmen ist, könnt ihr selbst entscheiden.

Much Loved (c) ALFILM

Much Loved (c) ALFILM

Diese Filmkritik entstand innerhalb des von ostPost berlin und EastWest e.V. durchgeführten Workshops „Nächster Halt – Filmkritiker/in!“ im Rahmen des Projekts „WIR HIER! Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog“ im Frühling/Sommer 2016. Diese Veranstaltung bestand aus fünf inhaltlichen Treffen und vier Kinobesuchen bei dem Arabischen Filmfestival ALFILM. Während des Workshops wurden die Fähigkeiten des Schreibens einer Filmkritik sowie Kenntnisse über die Darstellung der Minderheiten in den Medien vermittelt. Das Projekt “WIR HIER!” wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration kofinanziert.