Workshop „Nachhaltigkeit – wie geht denn das?“

Junge Migrantinnen und Geflüchtete im Gespräch

Jugendliche diskutieren über Nachhaltigkeit, darüber, was das für sie in Deutschland bedeutet und was sie tun können. Dabei wechseln die Diskussionsrunden mit Recycling-Workshops ab.

Viele Jugendliche machen sich oft darüber Gedanken, wie man unseren Planeten noch vor dem Untergang durch die Verschmutzung und Zerstörung der Biosphäre retten kann. Es gibt nicht sehr viele Möglichkeiten als junger Immigrant, mit geringen Deutschkenntnissen, diese Gedanken mit gleichaltrigen Leuten und ähnlichem Hintergrund auszutauschen. Doch jetzt hast du eine solche Chance! In diesem Workshop werden wir Schriften zum Thema Nachhaltigkeit lesen, gemeinsam mit anderen Teenagern diskutieren und uns Gedanken machen, wie wir die Umwelt unterstützen können. Außerdem probieren wir verschiedene Recycling-Techniken aus, von Musikinstrumenten aus Müll bis zum Teppich aus altem Textil. Auf diese Weise knüpfst du nicht nur Kontakte und eignest dir bessere Deutschkenntnisse an, sondern machst das Wichtigste – du entwickelst eigene Ideen, wie man die Welt verändern kann!

Melde Dich an! Unter ostpunkt.berlin@gmail.com mit der Angabe deines Namens, Alters und Herkunftslandes.

WER: Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund, Alter: 16-21
SPRACHE: Deutsch

EN
Many teenagers often think about how they can rescue our planet from ending its existence due to littering and us destroying our biosphere with poisonous gases. Unfortunately there are only limited possibilities for a young immigrant with little or no knowledge of the German language to share these thoughts with the peers. Well now you have such a chance! In this workshop we will discuss the issue of sustainability and what it if means to us here in Germany, read abstracts and texts about the topic and collect ideas on how to strengthen the environment. Apart from that we will be trying various recycling techniques, from building a musical instrument from garbage to making a carpet out of old textile. This way you will not only establish new contacts with other teenagers and improve your German, but most importantly help change the world!

Sign up to take part now! Via email ostpunkt.berlin@gmail.com stating your name, age and the country of origin.

WHO: youth with foreign roots or asylum seeking experience, aged 16-21
LANGUAGE: German

RU
Многие подростки задумываются над тем, как можно спасти нашу планету от полного загрязнения и разрушения биосферы. Но для юных иммигрантов с малыми знаниями немецкого языка зачастую недостаточно возможностей поделится этими мыслями со сверстниками и единомышленниками. Теперь у тебя есть такой шанс! В течение этих двух дней мы будем совместно обсуждать вопросы устойчивости окружающей среды, читать выдержки из литературы по данной теме и собирать идеи, как поддержать нашу природу. Кроме этого мы попробуем различные техники рециклинга, например, как сделать музыкальный инструмент из мусора или ковер из старой одежды. Так ты не только познакомишься с заинтересованными людьми твоего возраста и улучшишь свой уровень немецкого, но, что самое важно – поможешь изменить мир!

Записывайся сейчас! По имейлу ostpunkt.berlin@gmail.com с указанием имени, возраста и страны происхождения.

КТО: молодежь с иностранными корнями или статусом беженца, возраст: 16-21
ЯЗЫК: немецкий

TR
Bu workshopta sürdürülebilirlik ve bunun Almanya’da ne anlama geldiği, bu konu hakkında çevreyi nasıl güçlendirebileceğimizle ilgili metinler ve fikirler toplanacak. Ayrıca atıklardan müzik aleti yapma gibi geridönüşüm teknikleri deneyeceğiz. Bir göçmen için bunu almanca yapmak zor olabilir ama bu workshopla daha kolay; böylece hem almancanızı geliştireceksiniz hem de dünyayı değiştirmeye katkıda bulunacaksınız. Katılmak için kayıt olun.
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* In Kooperation mit East West e.V.
* Gefördert durch DJO – Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.
* Unterstüzt von Berliner Tafel e.V., Heldenmarktposter3

S/U-Bahnkarte „Polnische Spezialitäten“ – So schmeckt Polen!

Wir wollten essen gehen und zwar unbedingt Pierogi! Aber wo findet man das nächste polnische Restaurant? So hat diese Geschichte angefangen. Mit dieser Idee haben wir fleißig Daten gesammelt und persönlich alle Lebensmittelläden, Cafés und Restaurants besucht. Uns haben auch mehrere polnische Initiativen in Berlin unterstützt – dafür ganz herzlichen Dank! „Last but not least“ werden wir Ihnen demnächst auch eine Druckversion dieser Karte präsentieren können – mit freundlicher Unterstützung von dem Polnischen Fremdenverkehrsamt.

Also, es ist soweit, nach langer Arbeit präsentieren wir Ihnen stolz eine S-/U-Bahninfografik mit allen Orten in Berlin, wo Sie die leckeren polnischen Spezialitäten finden können:

OstPost-Polnische-Spezialitaeten-v13

Die Karte im PDF-Format finden Sie hier.

Get to know us! Reeta

My name is Reeta and I come from Finland. I have been here in Berlin for almost one month and I will be here for another two months. Last spring I graduated from art school and now I am here! I am interested in books and literature and that’s why I wanted to be a trainee at ostPost. I also like learning new languages and get to know different cultures and countries. Hopefully I can improve my German while I am here. The beginning has been already very nice and certainly it is going to be exciting in the future!dsc_0127Ich heiße Reeta und ich komme aus Finnland. Ich lebe für drei Monate in Berlin und mache ein Praktikum bei ostPost.

See you soon! Bis bald!

Lernen Sie uns kennen! +++ Get to know us!

Do you want to know what all has happened to ostPost during these years? And what does the future offer? If you are interested here is a radio interview with the founder of ostPost, Luba Kemenova. The interview is in German and English and was produced for an independant radio station Alex by B-East Production. Tune in and enjoy the interview, among other things spiced up with new Eastern European music from Bratislava! Meet the band Gonsofus.

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Lernen Sie uns kennen! Marta

Ich heiße Marta und komme ursprünglich aus Polen. Vor zwei Jahren, direkt nach dem DaF-Studienabschluss, habe ich mich entschieden nach Deutschland zu gehen. Das erste Jahr habe ich in Potsdam verbracht. Dort habe ich mein FSJ in einer KITA gemacht, jedoch habe ich auch sehr schnell erkannt, dass Kindergärtnerin zu sein, nicht mein Ding ist. Gleichzeitig habe ich ein Praktikum bei ostPost berlin gemacht, wo ich auch meinen ersten Polnischkurs angeboten habe. Nach 12 Monaten in der Brandenburger Hauptstadt bin ich jetzt endlich nach Berlin umgezogen und genieße das Leben in der großen Hauptstadt!

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Ich bin selbständige Deutsch- und Polnischlehrerin und arbeite in mehreren Sprachschulen in Kreuzberg und Friedrichshain. Meine Arbeit macht mir viel Spaß und ich kann mir absolut nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.

Nebenbei bin ich auch beim Verein ostPunkt aktiv, der sich für Projekte mit den osteuropäischen Nachbarn im Bereich Kunst und Kultur engagiert.

Ich freue mich immer auf neue SchülerInnen und warte auf Euch bei ostPost berlin!

Alle Kurse auf einen Blick kann man auf der ostPost-Seite sehen.

Lernen Sie uns kennen! Volha

Hallo! Ich würde mich gerne vorstellen. Ich bin Volha und komme aus Belarus. Seit einigen Jahren wohne ich in Berlin, hier studiere ich an der Humboldt Universität zu Berlin. Fünf Sprachen beherrsche ich: Russisch und Belarussisch sind meine Muttersprachen, Deutsch und Polnisch beherrsche ich in Wort und Schrift, und Basiskenntnisse habe ich im Englischen. Mein Ziel ist es noch eine romanische Sprache zu lernen, dabei hört sich Italienisch wie eine gute Wahl! 😉

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Lesen tue ich leidenschaftlich, besonders klassische Literatur aus aller Welt. Wenn ich Menschen aus verschiedenen Ländern kennenlerne, frage ich immer nach der berühmtesten Schriftsteller und ihren Werken.

Außerdem bin ich sehr reiselustig, wobei mein Reiseziel muss nicht unbedingt in einem anderen Land sein (was auch immer schön ist). Ich bin der Meinung, dass man jeden Tag die schönen Ecken in Berlin und Umgebung entdecken kann.

Bei ostPost unterrichte ich Russisch, Belarussisch sowie Deutsch als Fremdsprache für Anfänger. Kommt vorbei!

 

Los mit deinem Wissen! Lerntag 2016

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG
25. SEPTEMBER 2016

Nach der tollen Erfahrung vom letzten Jahr wagen wir es erneut! Wir veranstalten einen Tag der Wissensweitergabe, Bildung und Teilhabe, zu dem wir alle herzlich einladen! || After the great experience last year we dare again! We organize a day of knowledge sharing, education and participation to which we invite everybody!

Wissen geben | give knowledge

Für einen Tag kannst du Tutor werden und dein Wissen weitergeben. So kannst du für dein Wissen, deinen Laden oder für dich als Person werben und Kontakte knüpfen. Keine Angst: Du musst keinen Hochschulabschluss haben. Jeder kann anderen etwas zeigen oder beibringen, ob es nun Kochen ohne Wasser oder eine Sprache ist. Dein Wissen kannst du eine Stunde oder den gesamten Lerntag über weitergeben. Zuhause, in einem Café oder bei dir im Laden. || For one hour or the whole day you can become a tutor and can pass on your knowledge and skills as a present to someone else. You can spark someone with your knowledge, present yourself or your shop or just network. No worries: a degree is not a must. Everyone can do it, does not matter if it is some magic or your mother tongue. You can share it for one hour or for the whole day.
At home, in a café or in your shop.

einschreiben | apply bis zum | untill 18. September: http://www.lerntag-berlin.de

Wissen nehmen | take knowledge

Du möchtest deine Nachbarn kennen lernen, mit Freunden durch den Kiez ziehen und dabei auch noch etwas lernen? Dann schaue dir die Angebote an und wähle bis zum 22. September die Kurse, die dir gefallen. || You feel like finally meeting some of your neighbours, explore your neighbourhood with friends and learn as you go? Then take a look at the offers and sign up for the offers which interest you. Until 22nd September.

http://www.lerntag-berlin.de

Web

Der Lerntag wird organisiert von ostPunkt e.V. und schädlich & schädlich

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Bei uns können Sie fast jedes Buch aus Osteuropa oder mit Osteuropa-Bezug bestellen. Haben Sie einen Wunsch? Schreiben Sie uns einfach an!

Knocking on heaven’s door – die algerische Version

Rezension von E. Vasileva zum FIlm “The Rooftops”

Es gibt eine Menge von den klassischen Artwerken, die das Thema der Verbindung zwischen Liebe und Tod erforschen haben. Im letzen Quartär des 20. Jahrhunderts wurde dieses Thema sehr populär, als muss man in der postmodernischen Welt mit dem Dekonstruktivismus bekannt werden. Die wichtigste Zeichen dieser Ära sind die Zeichen menschliches Lebens – am Leben (1) sein oder tot(2) sein, und die beide kommen aus Liebe(3). Das gesamte menschliche Existenz ist auf drei Zeichen reduziert.

Deshalb ist die poetische Bestellung der Liebe heutzutage weniger beliebt – es ist zu naive und langweilig für die moderne Zuschauer. Da gibt es die „nackte“ Gestalt des physikalischen Begehrens. Aber in den Film „Rooftops“ (Dächer) des Algeriens Regisseurs R. Merzak Allouache werden nicht nur eine, sondern eine Handvoll von sehr poetischen und traurigen Geschichten beschreibt.

"The Rooftops" (c) Jba production

“The Rooftops” (c) Jba production

In Algiers Stadtteil Notre-Dame d’Afrique wird Adlan im Auftrag von Hamoud in einem halbfertigen Wohnblock gefoltert. Er versprach, dass er zurück nach Frankreich gehen kann, wenn er werde nur ein Papier unterschreiben. Sie müssen sich verstecken, wenn eine Regisseurin und zwei Besatzungsmitglieder kommen, um die Aussicht vom Dach für ihre Doku “Algier, Juwel der arabischen Welt” zu finden.

Im Bab el-Oued Bezirk, hat Selouma eine Hütte auf dem Dach einer Wohnanlage und lebt da mit ihrem drogenabhängigen Großneffe, Krimo und seiner halb verrückten Mutter, Aicha. Wenn der Vermieter kommt um sie gewaltsam zu vertreiben, nimmt Krimo verzweifelte Aktion.

Onkel Larbi lebt in einem Holzkäfig auf dem Dach eines Gebäudes in der Casbah und erzähle Geschichten von den Unabhängigkeitskriegs Helden der jungen Layla. Am Abend wird das Dach für ein islamistisches Gebetstreffen übernommen, und ein Prediger proklamiert Muammar al-Gaddafi zum muslimischen Märtyrer.

Eine Band trifft auf einem Dach der Innenstadt zu spielen und Ideen für die zukünftigen Veranstaltungen besprechen. Assia ist verängstigt von Neila, eine Frau, die von der benachbarten Terrasse sie schon den ganzen Tag beobachtet. Wenn ein Mann kommt heraus und schlägt Neila, will Assia ihr helfen, aber ihre männlichen Kollegen sagen, das ist nicht ihr Geschäft und außerdem kann er ein Bruder oder Ehemann sein.

Das letzte Dach ist in Belcourt, wo ein Alkoholiker Halim eine alte Hütte hat und lädt die Menschen für den gelegentlichen Gebrauch des Raumes. Sheikh Lamine ankommt, ein Zimmer zu mieten, wo er gibt vor, Fatihas Seelsorge anbieten zu können. In der Realität unternimmt er sich, wenn sie ihr Niqab auszieht und er schlägt sie als ob er ein Exorzismus durchführt.

"The Rooftops" (c) Jba Production

“The Rooftops” (c) Jba Production

Diese Geschichten sind nicht zynisch oder schematisch sonder liebevoll und treuherzig. Zuerst geht es ein wenig optimistisch aber das Ende ist einfach zu unheilvoll. Und dazu muss man die Gründe in der Geschichte Algiers finden.

Die letzte Kette von den Kriegen hat das Land so zerstört, dass es in seiner Entwicklung ist jetzt wie zurück zur Kinderzeit geworfen ist. Und die Kinder lieben die Märchen! Meiner Meinung nach ist es eine Erklärung für die Gewalthandungen, die fast alle Handlungsstränge geschlossen haben. Der Film ist einfach ein Märchen, aber für die Erwachsene. Es ist möglich, weil diese ungläubige Mischung aus Tod, Liebe, Abscheu und Ärger nur in einer zu kreativen Welt existieren kann. Interessant ist, dass die Menschen in alten Zeiten mit Hilfe der Märchen die Gewalt der Natur gewinnen wollte. Und in diesem Film gewinnt man die Härte der Realität – auch mit der Phantasie, dunkel aber auch ästhetisch. Das Ende ist ansonsten eine wenig biblisch – einige sind gestorben, aber andere haben die Absolution und die Freiheit erhalten – als ob war es das Weltgericht, auf den Dächer der armen Leute, zwischen getrockneten weißen Blätter und zu algerischer Arabesque-Musik.
***
In Mittelalter sind die algerische Frauen zum Meer um Wasser zu holen gegangen und auf ihrem Weg mussten sie durch so viele Dächer gehen und vielmals die Röcke hochziehen, dass waren sie die erste Frauen, die die Hosen tragen wollte. Diesen langen und gefahrvollen Weg von oben nach unten und zurück machen alle von uns, aber würde jeder etwas Neues davon abnehmen? Die Filmcharaktere machen ihre Schritte – einige nach oben, andere nach unten, und das Märchen beendet sich mit einem sehr wichtigen Hinweis – es gibt mehr Ungerechtigkeit, wir können es nicht besiegen, aber die primäre Phantasie ist unserer Retter, hebt uns in den Himmel hoch und weiter…

Im Film „Knocking on heavens door“ haben die Charakter viel über das Meer gesprochen, wie es so nah den Himmelbesitzern stand. Aber sind vielleicht die Dächer näher – sind sie die bessere Startbahn?

Diese Filmkritik entstand innerhalb des von ostPost berlin und EastWest e.V. durchgeführten Workshops „Nächster Halt – Filmkritiker/in!“ im Rahmen des Projekts „WIR HIER! Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog“ im Frühling/Sommer 2016. Diese Veranstaltung bestand aus fünf inhaltlichen Treffen und vier Kinobesuchen bei dem Arabischen Filmfestival ALFILM. Während des Workshops wurden die Fähigkeiten des Schreibens einer Filmkritik sowie Kenntnisse über die Darstellung der Minderheiten in den Medien vermittelt. Das Projekt “WIR HIER!” wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration kofinanziert.

Rezension zum Film “Much Loved“

Der neue Nabil Ayouch Film “Much Loved“ (2015) erzählt die Geschichte von vier Frauen, die in Marrakesch ihre Lebensunterhalt mit Prostitution verdienen. Noha ist alleinerziehende Mutter, die das Geld für ihre Kinder und alte Mutter braucht. Soukaina lebt in ihrer eigenen imaginären Welt, wo nur die Liebe herrscht und wo sie auf ihren Prinz wartet. Randa hat weniger Bock auf Prostitution und zwingt sich mit allen täglich auszugehen. Hilma ist schwanger und wurde von dem Vater ihres Kindes verlassen, so sucht sie eine Absteige, die die anderen Drei ihr geben.

Jede mit eigenen Träumen und Erwartungen, sind diese Frauen dazu gezwungen, Tag für Tag allen Wünschen ihrer Kunden zu folgen. In knapp zwei Stunden werden zahlreiche weibliche Kniffe gezeigt, die den arabischen Frauen helfen, am Leben zu bleiben. Das Genre des Films kann man sicher dem Drama zuordnen.
Themen des schwierigen arabischen Alltags, der Gleichgültigkeit, Armut und Gewalt sind für Ayouch nicht neu: die Protagonisten/innen in seinen früheren Filmen wurden diesen Problemen auch gegenüberstehend dargestellt. In „Much Loved“ hat der Regisseur die Prostitution in Marokko ganz offen dargestellt und dementsprechend die Diskussion über das Frauenbild in der arabischen Welt auf das neue Niveau erhoben. Das Niveau wurde so hoch, dass die Hauptdarstellerin Loubna Abidar für ihr exzellentes Spiel nach Frankreich flüchten musste und dass der Film in Marokko verboten wurde und seine Premiere in Cannes in 2015 mit zahlreichen öffentlichen Protesten in Tunesien einhergegangen war. Die ganzen medialen Diskussionen um das widersprüchliche Bild der arabischen Frau haben „Much Loved“ mit momentanem Sold out versorgt.

"Much Loved" (c) ALFILM

“Much Loved” (c) ALFILM

Wobei die Prostitution schon ein übliches Motiv in der Filmkunst ist, macht Ayouch daraus etwas neues und stellt das in den arabischen Kontext, was für den westlichen Zuschauer eher ungewöhnlich zu sein scheint. Dank der allgemein verbreiteten Bilder von Arabern, kontrastieren die vier Protagonistinnen sehr stark mit der gewohnten Vorstellung über die arabische Frau.

Noha trägt ihr Tuch nur, wenn sie Familie ihre besucht, von der sie getrennt wohnt. Die Männer sind hier keine Versorger – durch den ganzen Film wird gezeigt, wie Männer Frauen behandeln: respektlos, grob, in manchen Szenen bloß tierisch. Die Frauen in „Much Loved“ haben nur ihren Fahrer Said auf den sie sich verlassen können oder wer ihnen hilft. Auch die Polizei in Marokko kann die Frauen nicht wirklich beschützen. Aber in diesem scheinbar düsteren Dunkel menschlicher Beziehungen bleibt immer noch ein Platz, wo die vier Prostituierten sich selbst fühlen können und vor den anderen keine Angst haben müssen – in ihrer Wohnung, wo die verführerischen Vier wohnen.

"Much Loved" (c) ALFILM

“Much Loved” (c) ALFILM

Das ist tatsächlich sehr interessant, wie Ayouch als ein Mann, die weibliche Seele und ihre Sorgen verstanden konnte und diese auf die Leinwand übertragen hat. Zwischen den Vieren herrscht eine Harmonie, die sie, egal was passiert, ständig in sich tragen. Das ist der entscheidende Moment, der diesen Film von allen anderen solcher Thematik unterscheidet (z.B. „Lilja 4-ever“, 2002; oder russischer Film „Точка”, 2005). Der Nachgeschmack ist angenehm, “Much Loved” hinterlässt kein schlechtes Gefühl. Das ist eine berührende Geschichte über die echte weibliche Freundschaft, die man egal wo auf der Erde finden könnte. Bei Nabil Ayouch wickelt sich die Handlung ganz konkret in Marokko ab und dadurch wird man dem westlichen Auge mehr Denkanstöße über die Frauenposition in arabischen Ländern gegeben. Allein deswegen ist dieser Film sehenswert. Über das ausgezeichnete Spiel aller vier Darstellerinnen kann man lange schreiben, jedoch ist es besser, sich den Film einfach selbst anzusehen.

von Volha Karas

Diese Filmkritik entstand innerhalb des von ostPost berlin und EastWest e.V. durchgeführten Workshops „Nächster Halt – Filmkritiker/in!“ im Rahmen des Projekts „WIR HIER! Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog“ im Frühling/Sommer 2016. Diese Veranstaltung bestand aus fünf inhaltlichen Treffen und vier Kinobesuchen bei dem Arabischen Filmfestival ALFILM. Während des Workshops wurden die Fähigkeiten des Schreibens einer Filmkritik sowie Kenntnisse über die Darstellung der Minderheiten in den Medien vermittelt. Das Projekt “WIR HIER!” wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration kofinanziert.