Knocking on heaven’s door – die algerische Version

Rezension von E. Vasileva zum FIlm “The Rooftops”

Es gibt eine Menge von den klassischen Artwerken, die das Thema der Verbindung zwischen Liebe und Tod erforschen haben. Im letzen Quartär des 20. Jahrhunderts wurde dieses Thema sehr populär, als muss man in der postmodernischen Welt mit dem Dekonstruktivismus bekannt werden. Die wichtigste Zeichen dieser Ära sind die Zeichen menschliches Lebens – am Leben (1) sein oder tot(2) sein, und die beide kommen aus Liebe(3). Das gesamte menschliche Existenz ist auf drei Zeichen reduziert.

Deshalb ist die poetische Bestellung der Liebe heutzutage weniger beliebt – es ist zu naive und langweilig für die moderne Zuschauer. Da gibt es die „nackte“ Gestalt des physikalischen Begehrens. Aber in den Film „Rooftops“ (Dächer) des Algeriens Regisseurs R. Merzak Allouache werden nicht nur eine, sondern eine Handvoll von sehr poetischen und traurigen Geschichten beschreibt.

"The Rooftops" (c) Jba production

“The Rooftops” (c) Jba production

In Algiers Stadtteil Notre-Dame d’Afrique wird Adlan im Auftrag von Hamoud in einem halbfertigen Wohnblock gefoltert. Er versprach, dass er zurück nach Frankreich gehen kann, wenn er werde nur ein Papier unterschreiben. Sie müssen sich verstecken, wenn eine Regisseurin und zwei Besatzungsmitglieder kommen, um die Aussicht vom Dach für ihre Doku “Algier, Juwel der arabischen Welt” zu finden.

Im Bab el-Oued Bezirk, hat Selouma eine Hütte auf dem Dach einer Wohnanlage und lebt da mit ihrem drogenabhängigen Großneffe, Krimo und seiner halb verrückten Mutter, Aicha. Wenn der Vermieter kommt um sie gewaltsam zu vertreiben, nimmt Krimo verzweifelte Aktion.

Onkel Larbi lebt in einem Holzkäfig auf dem Dach eines Gebäudes in der Casbah und erzähle Geschichten von den Unabhängigkeitskriegs Helden der jungen Layla. Am Abend wird das Dach für ein islamistisches Gebetstreffen übernommen, und ein Prediger proklamiert Muammar al-Gaddafi zum muslimischen Märtyrer.

Eine Band trifft auf einem Dach der Innenstadt zu spielen und Ideen für die zukünftigen Veranstaltungen besprechen. Assia ist verängstigt von Neila, eine Frau, die von der benachbarten Terrasse sie schon den ganzen Tag beobachtet. Wenn ein Mann kommt heraus und schlägt Neila, will Assia ihr helfen, aber ihre männlichen Kollegen sagen, das ist nicht ihr Geschäft und außerdem kann er ein Bruder oder Ehemann sein.

Das letzte Dach ist in Belcourt, wo ein Alkoholiker Halim eine alte Hütte hat und lädt die Menschen für den gelegentlichen Gebrauch des Raumes. Sheikh Lamine ankommt, ein Zimmer zu mieten, wo er gibt vor, Fatihas Seelsorge anbieten zu können. In der Realität unternimmt er sich, wenn sie ihr Niqab auszieht und er schlägt sie als ob er ein Exorzismus durchführt.

"The Rooftops" (c) Jba Production

“The Rooftops” (c) Jba Production

Diese Geschichten sind nicht zynisch oder schematisch sonder liebevoll und treuherzig. Zuerst geht es ein wenig optimistisch aber das Ende ist einfach zu unheilvoll. Und dazu muss man die Gründe in der Geschichte Algiers finden.

Die letzte Kette von den Kriegen hat das Land so zerstört, dass es in seiner Entwicklung ist jetzt wie zurück zur Kinderzeit geworfen ist. Und die Kinder lieben die Märchen! Meiner Meinung nach ist es eine Erklärung für die Gewalthandungen, die fast alle Handlungsstränge geschlossen haben. Der Film ist einfach ein Märchen, aber für die Erwachsene. Es ist möglich, weil diese ungläubige Mischung aus Tod, Liebe, Abscheu und Ärger nur in einer zu kreativen Welt existieren kann. Interessant ist, dass die Menschen in alten Zeiten mit Hilfe der Märchen die Gewalt der Natur gewinnen wollte. Und in diesem Film gewinnt man die Härte der Realität – auch mit der Phantasie, dunkel aber auch ästhetisch. Das Ende ist ansonsten eine wenig biblisch – einige sind gestorben, aber andere haben die Absolution und die Freiheit erhalten – als ob war es das Weltgericht, auf den Dächer der armen Leute, zwischen getrockneten weißen Blätter und zu algerischer Arabesque-Musik.
***
In Mittelalter sind die algerische Frauen zum Meer um Wasser zu holen gegangen und auf ihrem Weg mussten sie durch so viele Dächer gehen und vielmals die Röcke hochziehen, dass waren sie die erste Frauen, die die Hosen tragen wollte. Diesen langen und gefahrvollen Weg von oben nach unten und zurück machen alle von uns, aber würde jeder etwas Neues davon abnehmen? Die Filmcharaktere machen ihre Schritte – einige nach oben, andere nach unten, und das Märchen beendet sich mit einem sehr wichtigen Hinweis – es gibt mehr Ungerechtigkeit, wir können es nicht besiegen, aber die primäre Phantasie ist unserer Retter, hebt uns in den Himmel hoch und weiter…

Im Film „Knocking on heavens door“ haben die Charakter viel über das Meer gesprochen, wie es so nah den Himmelbesitzern stand. Aber sind vielleicht die Dächer näher – sind sie die bessere Startbahn?

Diese Filmkritik entstand innerhalb des von ostPost berlin und EastWest e.V. durchgeführten Workshops „Nächster Halt – Filmkritiker/in!“ im Rahmen des Projekts „WIR HIER! Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog“ im Frühling/Sommer 2016. Diese Veranstaltung bestand aus fünf inhaltlichen Treffen und vier Kinobesuchen bei dem Arabischen Filmfestival ALFILM. Während des Workshops wurden die Fähigkeiten des Schreibens einer Filmkritik sowie Kenntnisse über die Darstellung der Minderheiten in den Medien vermittelt. Das Projekt “WIR HIER!” wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration kofinanziert.

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